Buchvorstellung: Reinhard Mey, „Was ich noch zu sagen hätte“

Buchvorstellung: Reinhard Mey, „Was ich noch zu sagen hätte“

In unserer Gemeindebücherei ausleihbar.

Titel:
Was ich noch zu sagen hätte: Reinhard Mey-Biographie

Autor:
Reinhard Mey, Bernd Schroeder

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Jahr: 2005
ISBN: 978-3462036220
Preis: nur noch gebraucht erhältlich

Obwohl Reinhard Mey, Jahrgang 1942, eigentlich voll mein Zeitgenosse ist (ich bin Jahrgang 1940), entdeckte ich ihn leider in einer Art biographischem Gespräch mit Bernd Schroeder, seinem alten Weggefährten, erst jetzt.

Mey läßt sich nicht kaufen, sonst hätte er eine Auszeichnung wie die „Goldene Stimmgabel“ wohl nicht abgelehnt und auch nicht so manche andere Sache, die ihn in die Nähe der Schlager gebracht hätte.

Mit einem Auftritt auf der Burg Waldeck begann sein Sängerleben – wohl eher Volkssänger – mit Gitarre, das ihn lange durch Frankreich führte, wo er seine erste Frau entdeckte und sie wieder verlor, auch wenn er sie immer noch wertschätzt.

Er spricht in allen Texten (in 18 Kapiteln findet sich mindestens ein voller Text von ihm) – und dies sind meist längere gereimte Texte – nur von sich, seinem Gefühl, seinen Sorgen oder Hoffnungen – und doch auch von mir, von meinem Nachbarn, von einer guten Bekannten.

Als diese schwanger war und dann ihr Kind in ihren Armen hielt, hat sie sehr lange immer wieder Reinhard Mey gehört – mit seinem: „Mein Apfelbäumchen“ – 1985 entstanden – und es abgespielt.

Hier die erste Strophe, Seite 238:

„Ich weiß gar nicht, wie ich beginnen soll,
so viel Gedanken, und mein Herz ist übervoll,
so viele Gefühle drängen sich zur selben Zeit:
Freude und Demut und Dankbarkeit.

Im Arm der Mutter, die dich schweigend hält,
blinzelst du vorsichtig ins Licht der Welt,
in deinen ersten Morgen, und ich denk:
Dies ist mein Kind, welch ein Geschenk !“

Demut drückt er aus und Dankbarkeit.
Es hört sich christlich an und ist es wohl auch.
Mey aber wollte sich nicht zum Glauben oder zur zur Kirche bekennen.

Sei es drum: Es lohnt sich, seinen Bildern und Gedanken und Versen zu lauschen, denn es steckt Herzblut in ihnen!

Ein Beitrag von Manfred Schmidt
05.03.2019

Buchvorstellung: N. O. Oermann, „Albert Schweitzer“

Buchvorstellung: N. O. Oermann, „Albert Schweitzer“

In unserer Gemeindebücherei ausleihbar.

Titel:
Albert Schweitzer 1875-1965 – Eine Biographie

Autor:
Nils Ole Oermann

Verlag: C. H. Beck Verlag
Jahr: 2010
ISBN: 978-3-406-59127-3
Preis: 24,90 €

Eine kritische Biographie will einen bedeutenden Mann, wie Albert Schweitzer, nicht nur loben, sondern auch menschliche Schwächen aufzeigen und vielleicht sogar Fehlleistungen, wie einen wenig überzeugenden Kontakt mit der DDR oder auch die Überheblichkeit kolonialen Stils oder gar die abschätzige Bemerkung zum fehlenden Fleiß der Afrikaner.

Was war Albert Schweitzer ?
Deutscher, Franzose, Afrikaner, Europäer oder gar Welt – Bürger ?
All dies war er, denn als Träger des Friedens – Nobel – Preises war er weltweit bekannt und in weltweitem Kontakt, sogar mit Größen der DDR, weil er offen für deren „Friedensarbeit“ war.
Er war „Ordinierter“ , der die Ehe von Theodor Heuss in Straßburg vor dem Traualtar schloss, Theologe, Professor, Mediziner, Tropenarzt und Organist.

Was zeichnete seine Lebensleistung aus ?
Wissenschaftliche Werke in Theologie, in Musik und Ausstrahlungen in der Philosophie mit seiner Auffassung der Ehrfurcht vor dem Leben.
Bis in ein hohes Alter hinein arbeitet er in Lambarene, baute Kliniken und Wohnungen und technische Räume, sorgte durch Orgelkonzerte in Deutschland, Frankreich, den USA und anderen Ländern immer wieder für Mittel zur Arbeit in Afrika und beantwortete immer neu eine Vielzahl von Briefen.

Nach meiner Auffassung bietet dies Buch einen guten Einstieg in ein reiches Leben, wie es Albert Schweitzer geführt hat.
Seine Frau war ihm immer wertvoll, auch wenn durch lange Trennungen die persönliche Nähe litt.
Beinahe wäre sie nicht nach Oslo zur Verleihung der Nobel – Preises gekommen.

Ein Beitrag von Manfred Schmidt
06.01.2019