Buchvorstellung: N. O. Oermann, „Albert Schweitzer“

Buchvorstellung: N. O. Oermann, „Albert Schweitzer“

In unserer Gemeindebücherei ausleihbar.

Titel:
Albert Schweitzer 1875-1965 – Eine Biographie

Autor:
Nils Ole Oermann

Verlag: C. H. Beck Verlag
Jahr: 2010
ISBN: 978-3-406-59127-3
Preis: 24,90 €

Eine kritische Biographie will einen bedeutenden Mann, wie Albert Schweitzer, nicht nur loben, sondern auch menschliche Schwächen aufzeigen und vielleicht sogar Fehlleistungen, wie einen wenig überzeugenden Kontakt mit der DDR oder auch die Überheblichkeit kolonialen Stils oder gar die abschätzige Bemerkung zum fehlenden Fleiß der Afrikaner.

Was war Albert Schweitzer ?
Deutscher, Franzose, Afrikaner, Europäer oder gar Welt – Bürger ?
All dies war er, denn als Träger des Friedens – Nobel – Preises war er weltweit bekannt und in weltweitem Kontakt, sogar mit Größen der DDR, weil er offen für deren „Friedensarbeit“ war.
Er war „Ordinierter“ , der die Ehe von Theodor Heuss in Straßburg vor dem Traualtar schloss, Theologe, Professor, Mediziner, Tropenarzt und Organist.

Was zeichnete seine Lebensleistung aus ?
Wissenschaftliche Werke in Theologie, in Musik und Ausstrahlungen in der Philosophie mit seiner Auffassung der Ehrfurcht vor dem Leben.
Bis in ein hohes Alter hinein arbeitet er in Lambarene, baute Kliniken und Wohnungen und technische Räume, sorgte durch Orgelkonzerte in Deutschland, Frankreich, den USA und anderen Ländern immer wieder für Mittel zur Arbeit in Afrika und beantwortete immer neu eine Vielzahl von Briefen.

Nach meiner Auffassung bietet dies Buch einen guten Einstieg in ein reiches Leben, wie es Albert Schweitzer geführt hat.
Seine Frau war ihm immer wertvoll, auch wenn durch lange Trennungen die persönliche Nähe litt.
Beinahe wäre sie nicht nach Oslo zur Verleihung der Nobel – Preises gekommen.

Ein Beitrag von Manfred Schmidt
06.01.2019

Buchvorstellung: A. Teitelbaum, „Warschauer Innenhöfe“

Buchvorstellung: A. Teitelbaum, „Warschauer Innenhöfe“

In unserer Gemeindebücherei ausleihbar.

Titel:
Warschauer Innenhöfe
Jüdisches Leben um 1900 – Erinnerungen

 

Autor:
Abraham Teitelbaum

Verlag: Wallstein Verlag
Jahr: 2017
ISBN: 978-3-8353-3138-9
Preis: 24,90 €

 

Wer sich ein Bild des polnischen Judentums um 1900 in Warschau mit seiner damals russischen Herrschaft machen möchte, der sollte zu diesem Buch greifen.

Der Autor Abraham Teitelbaum war damals – als sehr junger Mann – eher jüdisch-orthodox mit Schläfenlocken und Kaftan, der Texte aus der Bibel oder dem Talmud leicht lernte und gut rezitieren konnte. Daneben war er von allen Dingen in seinen Straßen, von denen er mehrere erlebte, sehr beeindruckt und hat sie je sehr lebendig geschildert.

Doch auch das polnische Theater lockte ihn und ließ ihn später in Amerika Drehbücher schreiben. Ob es um das Beobachten von Diebstahl, von Messerstecherei ging oder auch um nicht erlaubten jüdischen Unterricht, der dann durch die Polizei beendet wurde. Erlaubt war nur Unterricht in Jeschiwas, die gemeldet waren. Oder ob es um das Einnisten von Halunken im Restaurant seiner Mutter ging, das zu einem Feuergefecht dort führte und der Flucht seiner Mutter aus diesem Haus – und von allem an Kücheneinrichtung und Gestühl, das sie einfach frei zurück ließ, um mühsam in einer anderen Straße wieder neu zu starten.

Metallguß, Seilerei, Papierverarbeitung, Geldhandel oder Warenhandel jeder Art – die jüdischen Viertel in Warschau lebten und hatten je ihre Eigenart, ob es mehr um jüdische Strenge der „Litvaker“ oder jüdische Lebendigkeit der „Chassiden“ ging.

All dies endete spätestens mit dem jüdischen Aufstand im Ghetto Warschau und der Vernichtung der Juden dort, doch wohl teilweise schon früher, weil eine große Zahl verarmter Juden schon lange vorher den Weg in die USA fand, wie etwa auch der Schreiber des Buches.

Doch dies ist nicht der Inhalt des Buches.

Ein Beitrag von Manfred Schmidt
11.12.2018